Kunst in Bern

Bern ist überall.

Kutti MC in da Turnhouse

Heute spielte Kutti MC in der Turnhalle im Progr. Und soll mir jetzt keiner sagen, das sei am Thema vorbei, denn Kutti MC ist ein rappender Wortkünstler und damit zwar kein Bildender-, aber ein Darstellender Künstler, angesiedelt zwischen Literatur und Performance. Und aus Bern. Und was er übrigens mit seinem Bärndütsch anstellt, davon könnte manch einer, der in Bern künstlerisch tätig ist, etwas lernen. Witzig, skurril, verzwickt und clever, manchmal auch schlicht und einfach banal ohne sich dafür zu entschuldigen, treibt uns der Kutti in seine Welt, die aus Alltag besteht und beinahe grossen Gefühlen, aus Pleiten die das Leben schreibt, und dazwischen immer wieder die Selbstbeweihräucherung, die man als echter Rapper dem Publikum schliesslich schuldig ist und die man ihm beinahe, aber eben doch nicht ganz als ernstgemeint abkauft.

Und wenn dann ein Special Guest angekündigt wird, und der Kutti sich eher unbeholfen in eine peinliche Ecke plappert und schliesslich aufgibt, hofft man eigentlich inständig es sei Show und eingeplant, aber fürchtet doch trotzdem, dass der Mann schlicht und einfach so ist. Und damit kein Problem hat. Weil es bei ihm eben dazu gehört, nicht der Superman zu sein, der dem staunenden Publikum etwas vorführt (ihr merkt schon: das ist ein Bezug zum vorherigen Beitrag I could do that – No you couldn’t), sondern ein Mensch wie du und ich. Nur eben mit dem Mut, das auf der Bühne zu sein.

Der beste Moment war übrigens das Headbangen. Ein Rapper beim Headbangen, das musst du gesehen haben. Noch besser war aber die minutenlange Improvisation: Da reimt sich praktisch alles, manchmal zwar so vorhersehbar wie Herz und Schmerz, aber manchmal mit durchaus überraschenden Wendungen. Und wenn der Reverend Beat-Man mit seinen Kids anwesend ist, dann wird das gleich eingebaut. So hangelt sich Kutti MC von Thema zu Thema.

Und am allerbesten war der Auftritt des Special Guest. Dessen Namen ich leider nicht richtig verstanden habe: Eine kleine Frau aus Basel mit einer grossen Stimme, die dich umhaut. [Nachtrag: Special Guest war Anna Aaron, siehe Kommentar von fab]. Danach fiel dann erst so richtig auf, dass Kutti MC eigentlich keine Singstimme hat, sondern lediglich mehr oder weniger melodiös ins Mikrofon sprich und den Rest der Technik überlässt, und seiner Wortkunst, und der grandiosen Begleitband, die sich zwischen Pop, Rap und beinahe Metal bewegte und die Texte des Künstlers bestens in Szene setzte. [Nachtrag: Begleitband war das One Shot Orchestra, siehe Kommentar von fab].

So. Jetzt bin ich alter Mann müde. Vielleicht kann ich Kutti MC ja zu einem Interview überreden. Mal schauen.

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